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Jewgenij Gontmacher macht sich Feinde – zum Beispiel Surkow

Schon einmal im vergangenen Herbst gab es viel Aufregung um einen Zeitungsartikel von Jewgenij Gontmacher. Der Sozialexperte hatte unter dem Titel „Nowotscherkassk 2009“ in der Tageszeitung „Wodomosti“ darüber nachgedacht, ob sich das Szenarium von 1962 wiederhoplen könne, als die Sowjetmacht im südrussischen Nowotscherkassk Arbeiterproteste blutig zusammen schießen ließ. Anlass für Gontmachers Überlegungen war die aufziehende Wirtschaftskrise, von der der Kreml damals noch dachte, sie sei eine westliche und werde Russland weniger treffen. Nun hat sich Gontmacher erneut mit dem Kreml angelegt. Diesmal attackiert er unter der Überschrift Werden wir persönlich: Ideologie vs. Politik sehr lesenswert den Kremlchefideologen Wladislaw Surkow, den „Handsteuerer“ (Surkow) der gelenkten Demokratie (siehe dazu den auch Blog-Post Surkow nimmt erneut Berlin vom 9.3.09). Gontmacher vergleicht Surkow mit dem Sowjetideologen Michail Suslow und kritisiert, die Regierung sei mehr mit der Ideologieproduktion als der Bekämpfung der Wirtschaftskrise beschäftigt. Die Reaktion ließ nicht auf sich warten. In zahlreichen kremlnahen Zeitungen erschienen bereits Gontmacher-Schmähartikel. Für nicht des Russischen Mächtige ist der Artikel in einer leicht gkürzten und geänderten fassung auch in der Tageszeitung Moscow Times erschienen.

Jewgenij Gontmacher ist Leiter des Zentrums für Sozialpolitik des Instituts für Wirtschaft der Russischen Akademie der Wissenschaften. Er sitzt im Beirat des Instituts für moderne Entwicklung, dem Dmitrij Medwedjew vorsitzt. Von Mitte der 1993 bis 1997 war Gontmacher stellvertretender Sozialminister Russlands. Von 1997 bis 2003 leitete er die Abteilung Sozialpolitik in der russischen Regierung.

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