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Mit Rosatom und Siemens zur endgültigen Beerdigung des Atomwaffensperrvertrags

Wer erinnerst sich noch an Sergej Kirijenko, die „Kinderüberraschung“? Das war der klein, junge und äußerst alerte russische Vier-Monats-Premierminister von April bis August 1998, dessen Amtszeit abrupt mit dem Default genannten Staatsbankrott endete, dem wirtschaftlichen Tiefpunkt des nachsowjetischen Russland. Einmal Beamter, immer Beamter, ist Kirijenko seither im Staatsdienst geblieben. Erst war er einer von Putins sieben Föderalkommissaren an der Wolga und seit 2005 steht er den staatlichen Atomaktivitäten vor, die vor einem guten Jahr in der Holding Rosatom zusammen gefasst wurden. Rosatom hat ehrgeizige Ziele. Allein in Russland sollen in den kommenden 10 bis 15 Jahren 26 neue Atomreaktoren gebaut werden. Aber das ist nur zum Aufwärmen. Rosatom soll, als einer der wenigen international konkurrenzfähigen russischen Hochtechnologiekonzerne auf dem Weltmarkt so richtig Geld verdienen.

Nun haftet der russischen Atomtechnologie aber, nicht nur wegen Tschernobyl, der Ruf an, zwar erschwinglicher als die westliche Konkurrenz, technisch aber doch ein wenig zurück geblieben, weniger leistungsfähig, vor allem aber unsicherer  zu sein. Um diesen Wettbewerbsnachteil auszugleichen, ging Rosatom im Frühjahr eine Koperation mit Siemens ein. Zusammen wollen der russische Konzern aus dem Land der Unbedenklichkeiten und der deutsche Konzern aus dem Land der Bedenklichkeiten nun den Weltmarkt aufrollen. Ein Drittel Marktanteil ist das Ziel, wie Kirijenko in einem Interview bei Spiegel-Online verkündet. Doch nicht nur das macht die deutsch-russische Atomallianz gefährlich.

Rosatom hat einige Pläne, die bei ihrer Verwirklichung den Atomwaffensperrvertrag (der, auch durch Mithilfe von Rosatom zum Beispiel im Iran, ohnehin schon reichlich löcherig geworden ist) wohl endgültig zum Papiertiger machen werden. Da ist zum ersten die Wunschkundenliste, die Kirijenko vorliegt. Überall in der Welt, wo es kracht, möchte er Atomkraftwerke hinstellen lassen: Im Nahen Osten, in Nordafrika, in Südostasien und in Lateinamerika. Doch damit nicht genug der Beweglichkeit. Seit einigen Jahren ist in St. Petersburg das erste schwimmende Atomkraftwerk der Welt im Bau. Bald soll es auf große Fahrt gehen, um „in der Arktis zur Wärmegewinnung eingesetzt werden oder am Äquator für Meereswasser-Entsalzungsanlagen“. Viele kleine und mittlere AKWs sollen, geht es nach Kirjenko, die Weltmeere befahren und alles ist sicher. Die Piraten dieser Welt freuen sich schon auf neue, ertragreiche Beute. Und die Bösewichter auch.

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