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Der Rubel rollt nicht richtig – Krise und Modernisierung

Russland ist stolz, zu BRIC zu gehören, dem Klub der jungen
und aufstrebenden Wirtschaftsmächte. Das so hinzunehmen, ja sogar zu glauben,
hat sich eingebürgert. Ich bin da schon lange skeptisch. Die russische
Zugehörigkeit zu Indien, China und Brasilien (und alle den anderen, nur
kleineren Schwellenländern) hat, entgegen ländläufiger Meinung, wenig mit
Wirtschaft, dafür aber viel mit Geopolitik, genauer mit dem einigenden Wunsch
nach Eingrenzung der Macht der USA zu tun. Da ist Russland als Partner immer
gut.
 

Dieser Krisen-Tage wird meine Skepsis eindrucksvoll bestätigt.
Während China, Indien, Brasilien und die anderen relativ (relativ!)
unbeeindruckt dem Verfall der alten Wirtschaftsmächte zuschauen, ihre
Wirtschaften vielleicht ein wenig weniger schnell wachsen, dafür aber ihre
Währungen umso kräftiger werden, fallen die Aktienkurse an den russischen
Börsen noch schneller und er Rubel ist seit einigen Tagen sogar gegenüber
Dollar und Euro im freien Fall.
 

Auf den ersten Blick ist der Zusammenhang ganz einfach.
Während China und die anderen vor allem Industriewaren und auch ein paar
Dienstleistungen produzieren und auf dem Weltmarkt verkaufen, stammen weit über
60 Prozent aller russischen Exporterlöse aus dem Rohstoffexport, vor allem
natürlich von Öl und Gas. Da der Barrelpreis für Öl seit Tagen fällt (heute
wurde die wichtige Marke „Brent“ erstmals seit langem wieder unter 100 Dollar
gehandelt) und wegen der Krisenbefürchtungen auch die Erwartungen eher nach
unten zeigen, sehen Anleger für russische Werte finster.
 

Hinzu kommt, dass angesichts von Ausgabensteigerungen des
Staates in der Krise 2008/2009 inzwischen 110 
bis 115 Dollar Ölpreis nötig sind, um dem Land einen ausgeglichenen
Staathaushalt zu bescheren (im kommenden Jahr werden es sogar schon 125 Dollar
sein). Da können die Alarmglocken schon schrillen. Doch die Sache ist noch
komplizierter und die Probleme gehen tiefer.
 

Denn auch gegenüber anderen auf den Rohstoffexport
spezialisierten Wirtschaften wie Kanada, Neuseeland oder Australien fällt die
russische Wirtschaft weiter ab. Die auf Wirtschaftsfragen spezialisierte
Nachrichtenagentur RosBusinessConsulting (RBC) fasste das heute in einer
Überschrift so zusammen: „Von den Rohstoffdevisen fällt nur der Rubel„.
 

Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die von Medwedjew
und Putin angestrebte und von oben angeleierte Modernisierung noch viel
schlechter funktioniert als ohnehin angenommen, dass es dem Land also nicht nur
nicht gelingt, von der berühmten Rohstoffnadel wegzukommen, sondern dass in der
Spritze hinter der Nadel immer weniger Stoff ist.    

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Diskussion

  1. Die deutschen Mittelständer versuchen sich trotzdem an die russischen „Regeln“ anzupassen. Habe neulich den Artikel von „Markt und Mittelstand“ gelesen: Die Tücken beim Russland-Export: „Seit dem WTO-Beitritt des Landes sollte der Handel mit Russland eigentlich einfacher sein. In der Praxis sehen sich Mittelständler nach wie vor mit unterschiedlichen Hürden beim Export konfrontiert. 5 Tücken auf die der Mittelstand beim Russland-Export achten muss.“
    Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/kunden-maerkte/die-tuecken-beim-russland-export/

    • @Holger: Natürlich soll und muss man sich an Gesetze und Regeln halten. Und das ist etwas ganz anderes als sie zu kritisieren. Wenn die Gesetze und Regeln aber selbst gesetzwidrig werden oder höher stehende Regeln wie Verfassung und international Abkommen verletzten, kann und sollte man dagegen vorgehen. Gesetze und Regeln gelten auch für diejenigen, die sie beschließne und erlassen. Also huete meist der Staat.

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