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Atommüll aus Deutschland – strahlt nun in Russland

Heute ist die bisher größte Ladung Atommüll aus Gronau in Westfalen über Rotterdam per Schiff im St. Petersburger Hafen angekommen. Von dort werden die Container per Bahn über knapp 3.000 Kilometer weiter nach Westsibirien ins Gebiet Tscheljabinsk geschafft. Dort werden sie bearbeitet und angeblich nach Deutschand zurückgebracht. Nach Erkenntnissen russischer Ökologen bleibt bei diesen Prozessen aber rund 90 Prozent des importierten strahlenden Mülls in Russland. Er wird, wie russischer Atommüll auch, in unzulänglich gesicherten Lagerstätten aufbewahrt. Dort gibt es immer wieder Lecks und radioaktive Stoffe gelangen ins Grundwasser, Seen und Flüsse, aus deren Unterläufen knapp fünf Millionen Menschen ihr Trinkwasser beziehen. Die Region leidet zudem noch immer unter den Folgen der ersten großen und bis heute neben Tschernobyl größten Atomkatastrophe im Atomkombinat Majak im September 1957. Damals explodierte ein Container mit flüssigen Atomabfällen. Wieviele Menschen radioaktiver Strahlung ausgesetzt wurden, ist bis heute nicht genau bekannt. Doch noch immer leben Menschen in verstrehlten Dörfern. 

Die Verträge zu diesen Transporten stammen aus den 1990er Jahren. Selbst ein Sprecher des russischen Atomkonzerns Rosatom gab in einem im russischen Fernsehen zu hörenden Telefoninterview zu, dass Russland diese damals wegen der guten Bezahlung geschlossenen Verträge heute nicht mehr unterzeichnen würde. Allerdings müsse man die bestehenden Verträge erfüllen und könne deshalb die Transporte nicht einfach einstellen. Die  Russische AtomgegnerInnen protestierten, wie bei allen vorherigen Transporten in St. Petersburg gegen den Atommüllimport. In den kommenden Tagen wird es Protestaktionen entlang der Einsenbahnstrecke von St. Petersburg nach Tscheljanbinsk geben. Die Atomgegner, wie Wladimir Sliwjak von Ecodefense, einer Partnerorganisation der Heinrich Böll Stiftung, glauben auch den Versicherungen von Rosatom nicht, die Transporte tatsächlich einstellen zu wollen. Erst kürzlich wurden ihnen Kopien von Verträgen mit Frankreich zugespielt, die Vereinbarungen über Transporten bis mindestens 2014 vorsehen.

Von der Katastrophe in Majak erzählt die Fotoausstellung „50 Jahre Katastrophe“, die von der Heinrich Böll Stiftung und Ecodefense 2007 in Moskau und Tscheljanbinsk gezeigt wurde.

Weitere Informationen zu Atommülltransporten von Deutschland nach Russland: www.antiatom.ru

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