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Russlands Reiche verarmen

Moskau ist nicht mehr die Weltmilliardärshauptstadt. Kaum ein Jahr nach dem großen Triumph ist die Zahl der russischen Milliardäre laut der neuen Forbes-Liste um fast zwei Drittel von 87 auf 32 geschrumpft. In Moskau leben noch 27 der Superreichen, New York hat die Führungsposition mit immerhin noch 55 Dollar-Milliardären zurück erobert und selbst in London gibt es mit 28 nun mehr als in Moskau. Schlimmer noch: Der nun reichste Russe, Michail Prochorow, schaffte es nur noch auf Platz vierzig. Das ist eine nationale Katastrophe, eine Prestige-Schmach, wie sie das Land lange nicht erlebte.

Der rasante Aufstieg der russischen Rohstoff-Barone in der Welt der ganz Reichen wurden in den vergangenen Jahren gefeiert, wie die Siege der russischen Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft im vorigen Sommer, wie der Sieg im Eurovisionswettträllern und der Wiederaufstieg in den Eishockeyweltmeisterschaftshimmel. Russland war wieder wer in der Welt: geachtet, beachtet, ja gefürchtet (siehe Georgienkrieg). Allüberall im alten Europa ging noch vor Kurzem die Angst vor geldstarken und geopolitisch vom Kreml gesteuerten Unternehmensaufkäufern um. Auch diese Furcht schwellte vieler Russen Brust. Die abgehalfterte Weltmacht war, nach Jahren der tief empfundenen Erniedrigung, hatte sich neu erfunden. Ein bischen Öl und Gas, dazu ein paar aus früherer Macht übrig gebliebene Atomraketen reichten, um Russland von einem zerfallenden, maroden Imperium in eine der aufstrebenden Mächte dieser Welt umzulügen. Baron von Putin ließ mit kräftigen Worten grüßen. Der vor kurzem noch so bewunderte Westen dagegen schien sich in ganz altes Europa verwandelt zu haben.

Und nun dies. Die Wirtschaftskrise trifft Russland nicht nur hart, nein, sie trifft das Land härter als die jüngst als ach so träge und satt geschmähten westlichen Industrieländer. Bildlich gesprochen: Die Brüder Albrecht bleiben auf Platz 6 und 9 der aktuellen Forbes-Liste, Oleg Deripaska, Aluminiumpapst im Weltmaßstab, fällt fast bodenlos von 5 auf 164. Doch Putin wäre nicht Putin (und hätte nicht soviel Erfolg), wenn er nicht auch aus der Krise Kapital zu schlagen imstande wäre. Vor sibirischen Bergleuten erklärte er heute stolz,wo Russland auch heute nicht nur Weltniveau hält, sondern allen anderen Ländern weit voraus ist: Das russische staatliche Wirtschaftsrettungspaket wird 2009 rund 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen. Unter traditionellen Industrieländern ist hier Japan vorn: mit 2 Prozent.

 

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