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Erklärung von Memorial zu Stalindarstellungen im öffentlichen Raum in Russland

Dokumentation einer Erklärung von Memorial International, 5. Mai 2015

Es darf keine Denkmäler für Stalin geben

Jedes Jahr vor dem 9. Mai und besonders in Jubiläumsjahren des Sieges gibt es, in verschiedenen Regionen Russlands, auf unterschiedlichen Ebenen immer wieder Versuche, Stalindenkmäler aufzustellen oder zumindest Plakate mit seinem Bild aufzuhängen. Manchmal werden diese Versuche auch maskiert, indem Stalin nicht allein erscheint, sondern zusammen mit anderen, mit irgendwelchen Marschällen, Kavalieren des Siegesordens oder den Führern der Anti-Hitler-Koalition.

Das Auftreten anderer historischer Persönlichkeiten neben Stalin ändert aber nichts Grundsätzliches. Das Aufstellen egal welcher Denkmäler mit Stalins Figur sind Blasphemie. Die Verbrechen Stalins sind in der russischen Geschichte ohne Beispiel. Ihr Umfang ist so groß, dass das Auftauchen seines Abbildes im öffentlichen Raum in einem wie auch immer gestalteten positiven Kontext nicht sein darf und gesetzlich verboten gehört.

Dabei geht es keinesfalls darum, Stalin aus der Geschichte zu streichen und zu verbieten, ihn zu nennen, wie das Stalin selbst mit seinen von ihm vernichteten ehemaligen Mitkämpfern getan hat. Aber der Platz von Diktatoren ist in Museumssälen, Lehrbüchern und historischen Monographien, also im Kontext ihrer Taten und nicht auf den Plätzen der Städte.

Wir erinnern daran: Auf dem Denkmal zur 1000-Jahrfeier der Gründung Russlands in Nowgorod, das 1862 aufgestellt wurde, fehlt zwischen den dort dargestellten herausragenden Russen Iwan der Schreckliche. Man hat entschieden, ihn dort wegen wegen seiner Untaten nicht hinzuzufügen, obwohl die Rolle dieses Tyrannen in der russischen Geschichte durchaus bedeutend ist.

Es gibt Grenzen, die nicht einzuhalten einem Menschen das Anrecht auf gesellschaftliche Achtung nimmt. Das Fehlen eines gesetzlichen Verbots, Stalin öffentlich zu verherrlichen, zeigt, dass der Staat die Existenz solcher Grenzen noch nicht verstanden hat.

Memorial International, 5. Mai 2015

Übersetzung: Jens Siegert

 

 

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