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Russland und das Klima – eine Fortsetzungsgeschichte

Russland und das Klima ist eine wirkliche Fortsetzungsgeschichte. Die Unterschrift unter das Kyoto Protokoll ließ sich der Kreml gegen die Zustimmung der EU zum WTO-Beitritt abkaufen. Implementiert wurde seither, Umweltschützer hatten davor gewarnt, so gut wie nichts. Das öffentliche Wissen zum Klimawandel bewegt sich immer noch auf dem Niveau des ehemaligen Präsidenten Putin, der einste scherzte, einem so kalten Land wie Russland könnten ein paar Grad mehr nur gut tun. Und ein eisfreies, von Russland als Wirtschaftszone reklamiertes Nordmeer mit vermuteten riesigen Rohstoffvorkommen weckt vielemächtige Begehren. Erst vorige Woche verkündete das russische Verteidigungsministerium den Aufbau einer Arktischen Armee.

Inzwischen gibt es einige Studien, die zeigen, dass es, wie oft, ganz so einfach nicht ist. Zwar wird sich wohl die langwirtschaftlich nutzbare Zone in den riesigen russischen Norden ausweiten, aber der Klimawandel wird auch in Russland nicht nur Wohltaten vollbringen: Im Permafrostgebiet taut der Boden auf und die Infrastruktur droht zu versinken. Schon feuichte gegenden werden noch feuchter. Im Süden und Südosten wird sich wohl die Trockensteppe aufgrund von zunehmendem Wassermangel ausweiten. Wieweit die auf Meeressopiegelhöhe liegenden Städte St. Petersburg und Kaliningrad gefährdet sind, weiß niemand so genau zu sagen. Eine detaillierte Untersuchung, eine Art Stern-Report für Russland, steht aus.

Entsprechend widersprüchlich ist das Verhalten der russischen Delegationen bei den Klimaverhandlungen. Man möchte offenbar nicht ganz außen vor sein bei etwas, das nun auch die USA ernst zu nehmen beginnt. Aber nicht das Klima steht im Vordergrund russischen Strebens dort, sondern was dabei herauszuholen ist. Dabei ist Russland allein schon wegen seiner Größe ein wichtiges Land. Das kyotoprotokoll wäre ohne die russische Unterschrift nicht in Kraft getreten.

Russische NGOs versuchen mit Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung einfluss auf das russische Verhalten bei den Klimaverhandlungen zu nehmen. Im vorigen Dezember in Posen begannen sie mit der Herausgabe eines die Verhandlungen täglich begleitenden russischsprachigen Bulletins mit dem Titel mensche dwuch gradusow („weniger als zwei Grad“), in dem das Verhalten der russischen Delegation kritisch begleitet wird. Einen kleinen Erfolg haben sie damit bereits erzielt. Seit Posen gibt es regelmäßige Konsultationen zwischen offizieller Delegation und NGOs. Vom 29. März bis 8. April wird in Bonn wieder verhandelt und auch mensche dwuch gradusow erscheint seit heute wieder.

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