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«Putin hat Grenze überschritten» – Interview in der NZZ am Sonntag

Das Interview erschien in der Sonntagsausgabe der NZZ, aber mir scheint, meine Antworten sind immer noch aktuell.

NZZ: Russlands Parlament hat einem Militäreinsatz in der Ukraine zugestimmt. Gibt es jetzt Krieg?

Jens Siegert: Das Parlament hat Präsident Wladimir Putin ermächtigt, Soldaten in die Ukraine zu senden. Das würde ich als Krieg bezeichnen.

NZZ: Ist das nicht nur ein Poker?

JS: Russlands Soldaten sind ja schon auf der Krim! Die Sicherheitskräfte, die dort bisher Gebäude besetzt haben, sehen aus wie russische Soldaten und sprechen wie russische Soldaten. Und Russland hat ja schon zugegeben, dass es zusätzlich zu der dort stationierten Schwarzmeerflotte Soldaten auf die Krim geschickt hat.

NZZ: Was will Putin erreichen?

JS: Das frage ich mich auch. Die vom Parlament beschlossene Vorlage nennt drei Personengruppen, die die russische Armee angeblich schützen soll: erstens russische Staatsbürger, zweitens auf der Krim stationierte russische Militärangehörige und drittens die sogenannten Landsleute. Damit sind die Menschen in der Ukraine gemeint, die russisch denken und fühlen – das sind sehr viele.

NZZ: Was ist die Idee dahinter?

JS: Putin will zwei Dinge erreichen: die Ukraine schwächen und die Krim näher an Russland holen. Putin könnte in seiner eigenen Logik sogar davon überzeugt sein, einen bewaffneten Kampf zu vermeiden – indem er eben Fakten schafft, bevor die Nato oder sonst jemand überhaupt eingreifen kann.

NZZ: Will Russland sich die Krim einverleiben?

JS: Langfristig sieht Putin sie wohl als zu Russland gehörend, wie übrigens eine grosse Mehrheit der Russen. Ob dieses Ziel nun sofort erreicht werden soll und kann, ist eine andere Frage. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Ziel jetzt erst einmal ist, die Krim von der Ukraine abzuspalten und dann weiterzusehen.

NZZ: Was kann der Westen jetzt tun?

JS: Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, militärisch zu reagieren, und ich bezweifle, dass der Westen dazu in der Lage ist. Aber man muss Putin zeigen, dass die Grenze überschritten ist. Das könnte zum Beispiel die Einfrierung von Konten sein, die Putin und seinen Helfern gehören – oder die Verweigerung von Visa.

Interview: Matthias Knecht

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